Die Lösung der Eurozone: Die gemeinsame Schuldengrenze

Warum geriet die Weltwirtschaft um 1970 ins Schwanken und was hat der Vietnamkrieg und die USA damit zu tun.

Staatsschulden

Stellen Sie sich vor, auf einmal wird die komplette Eurozone zu einer der stärksten Wirtschaftskräfte der Welt mit einem sehr geringen Schuldenanteil.

Tönt das für Sie utopisch? Ist es aber nicht…in einem Schlag wären alle Probleme Europas gelöst und wir könnten getrost auf die neuen (Frei-)Handelsverträge verzichten, die uns als so toll angepriesen werden und schließlich doch nur dazu dienen sollen, die Kosten für Unternehmen noch mehr zu senken, die Rechte dieser gar über die Rechte der Staaten und somit uns zu stellen und schließlich sämtliche Standards zu kippen.

Tut uns leid, dass wir an dieser Sache nicht mehr viel positives sehen, nur wenn man versteht, wie einfach die Lösungen eigentlich sind, realisiert man, dass uns wirklich was vorgemacht wird und zwar ständig und immer wieder.

Manchmal ist es gar so dreist, dass man sich echt fragen muss, ob unsere Politiker sich einerseits Ihrer Verantwortung noch bewusst sind und ob sie es noch bewusst wahrnehmen, dass sie teilweise massiv gegen die Interessen der Bürger handeln.

Alle haben Schulden, ob wir als Privatpersonen, Unternehmen oder Staaten, alle haben Schulden!

Ja Schulden sind sogar die Antriebskraft unserer riesigen Wirtschaftsmaschinerie!

Alles ist finanziert mit Krediten, egal ob Häuser, Schulen oder Staatsausgaben, alles ist auf „Pump”!

Die VERSCHULDUNG ist die Formel unserer Wirtschaft und der Antriebsmotor des weltweiten Wachstums.

Alle stecken in genau diesem Räderwerk dieser Wirtschaftsmaschine, welche tagtäglich eine immer größere Verschuldung produziert.

Doch diese Wirtschaftsmaschine ist inzwischen nicht nur am Limit angelangt, sondern gerät nun immer mehr außer Kontrolle!

Fast überall haben Staatsdefizite schwindelerregende Höhen erreicht.

Hierbei tut sich vor allem die Eurozone sehr schwer daran, diese Schuldenkrise zu überwinden.

Doch warum ist das so und wie könnten mögliche Lösungen aussehen?

Mit dieser Frage befasst sich die Dokumentation: „Staatsschulden – System ausser Kontrolle“ wie immer von ARTE-TV. Wiedermal ein großes Dankeschön an diesen wichtigen, europäischen TV-Sender, welcher sich wirklich sehr um die europäische Transparenz in der Politik bemüht.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Griechenland nach den Parlamentswahlen: Was ist eigentlich Staatsverschuldung? Warum steigt sie in den letzten Jahren in vielen Ländern exponentiell an? Der Film gibt leicht verständliche Einblicke in komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und erzählt auf unterhaltsame Weise die Geschichte der Staatsanleihe, vom Spätmittelalter bis heute.

<p>https://www.youtube.com/watch?v=zdV6Lw4S-IU</p>

Wir werden diesen Bericht nun in mehreren Teilen präsentieren, so dass Sie immer wieder einen Brocken davon lesen können und es Ihnen nicht zu viel auf einmal wird.

„Dies ist eine Maschinerie, aus der es ganz schwierig wird, wieder herauszukommen”.

„Die VERSCHULDUNG ist ein System und wir fühlen uns SCHULDIG, weil wir VERSCHULDET sind”.

„Wir müssen einen Reset machen, alle Schuldenuhren wieder auf Null setzen. Raus aus der Kreditfalle und raus aus dem System, welches uns und unseren Planeten zerstört”.

„Eigentlich stellt eine Staatsverschuldung kein Problem dar. Denn alle Staaten sind verschuldet und dank des Wirtschaftswachstums schaffen wir zusätzliche Werte“, meint Karine Berger, Abgeordnete – Finanzausschuss des französischen Parlaments und sagt weiter,

„so kann man sich die Verschuldung erlauben. Das Problem entsteht erst dann, wenn die Schulden eine Höhe erreicht haben, wo man sie nicht mehr unter Kontrolle hat”.

Ab einer gewissen Schuldenhöhe gerät der Staat in einen Teufelskreis.

Damit dieser seine Schulden und seine Schuldzinsen bezahlen kann, muss er sich Jahr für Jahr eh Geld hierfür leihen. Die meisten Länder der Eurozone sind in diesem Kreislauf gefangen.

Die Kredite stammen aus den Finanzmärken oder den grossen Banken, die sich untereinander um diese begehrte Kundschaft konkurrenzieren.

Ann Pettifor, Wirtschaftswissenschaftlerin, „PRIME economics”, London, meint:

„Die Banken leihen einem Staat sehr gerne Geld, weil hinter den Staaten Millionen von Steuerzahler stehen. Es ist nicht so unsicher wie bei anderen Kreditvergaben, denn Steuerzahler gibt es immer.

Täglich werden neue Steuerzahler geboren und sie garantieren so für den Staat für 150 Jahre lang, außer, der Staat kollabiert. Die Kreditgeber können so sicher sein, dass sie ihr Geld wieder zurück bekommen, eine sichere Angelegenheit also für die.

Normalerweise ist ein Land nicht zahlungsunfähig. Warum also unsichere Kredite an Firmen auszahlen mit großen Risiken, wenn man doch einfach Geld einem Staat leihen kann. Auch Italien, Spanien und Griechenland sind für die Banken sicher als Kreditnehmer,

denn dahinter stehen ja z.B. die deutschen und französischen Steuerzahler, welche dann hierfür bürgen. Also absolut NULL Risiko für die Banken”.

Die Verschuldung der EU-Staaten hat bereits jedes normale Maß überschritten. Die Verschuldung wird berechnet zusammen mit dem BIP (Bruttoinlandproduktes eines Landes pro Jahr).

Je höher also die Schulden prozentual zur Kapitalerwirtschaftung eines Landes sind, desto höher ist die effektive Verschuldung.

1992 legen EU-Finanzexperten im Vertrag von Maastrich fest, dass das Defizit eines Mitgliedlandes nicht mehr als 60 % vom BIP betragen soll.

Hier mal ein paar Beispiele zum aktuellen Stand der Staatsverschuldung der EU-Länder:

  • Spanien 93 %
  • Portugal 129 %
  • Griechenland 175 %

Diese Defizitsituation ist katastrophal. Denn genau dadurch wird der Handlungsspielraum eines Staats betreffend der Staatsausgaben drastisch eingeschränkt.

INFOBOX

USA (13,4 Bill. €)

Die höchste Staatsverschuldung weltweit ist mit 13,4 Bill. € in den USA zu finden. Das Limit von 17 Bill. $ (etwa 12,7 Bill. €) wurde 2013 nach einem wochenlangen Haushaltsstreit aufgehoben. Gerade eben noch der Staatspleite entkommen, borgt sich die amerikanische Regierung im Zuge ihrer Wirtschaftsförderung weiterhin im großen Umfang Geld. Einen Plan zur Haushaltssanierung scheint es hingegen noch nicht zu geben.

Japan (9 Bill. €)

In Beziehung zum BIP beträgt z.B. die Schuldenquote Japans 243 %. Japan müsste demnach 2,43 Jahre alle erarbeiteten Erlöse an seine Gläubiger abgeben, um schuldenfrei zu werden. Die zusätzlich anfallenden Zinsen wären hierbei noch nicht einmal mit einberechnet. Jedoch wird Japan zumindest im Ranking der absoluten Zahlen von einem Staat getoppt. Quelle

Wenn also ein Staat Geld braucht um öffentliche Dienstleitungen zu finanzieren, wird so sein Handlungsspielraum drastisch eingeschränkt.

Auch politische Entscheidungen werden so ignoriert, weil alles plötzlich nur noch den finanziellen Aspekt berücksichtigt.

Wenn die Verschuldung eine gewisse Grenze erreicht, fließen die Steuergelder fast nur noch in die Tilgung der Schuldzinsen eines Staates anstatt dass öffentliche Ausgaben finanziert werden.

Doch wie könnten wir Europäer diesen Teufelskreis durchbrechen?

Muss man Schulden immer zurückzahlen?

Die Regel besagt, wenn man sich etwas ausleiht, muss man es auch zurückbezahlen.

Doch es gibt auch Ausnahmen.

Ein kleiner Ausblick in die Geschichte:

In Frankreich vor der franz. Revolution haben die Mächtigen ihre Schulden nie bezahlt. Hätten sich damals Kreditgeber geweigert, z.B. ans Königshaus Geld zu leihen, wären diese eingesperrt worden.

Das Schuldenprinzip existiert bereits vor der Einführung des Geldes als Zahlungsmittel.

David Graeber, Anthropologe, London School of Economics sagt:

„Aus den ältesten Funden aus dem Zweistromland geht bereit hervor, dass es damals bereits Schulden und Kredite gab und daraus, wer wem und was schuldet.

Bereits damals existierte ein Kreditsystem, obwohl es noch kein Geld gab”.

Auf Tontafeln wurden damals die Schulden festgehalten, eine uralte Buchführung also.

Man begann sogar schon damals damit, die Schulden von anderen zu Handeln. Diese Tontafeln waren also nichts anderes als die erste Form des heutigen Zahlungsmittels, dem Geld.

Schulden sind also bereits seit langer Zeit ein Teil des Wirtschaftssystems.

Die ersten Staatsschulden wurden jedoch erst im 14. Jahrhundert in Italien gemacht, in den grossen Handelsstädten.

Florenz, Genua und Venedig führen einen Dauerkrieg und dafür wurde Geld gebraucht.

Um diese Kriege zu finanzieren nahmen die Fürsten bei den reichen Patriziern Kredite auf und unterschrieben Schuldscheine.

Die ersten Wertpapiere also in der Geschichte mit festgesetztem Schuldzins.

Die grossen Gläubigerfamilien Italiens gründeten also die ersten italienischen Banken.

Sie liehen den grossen, europäischen Monarchen enorme Mengen an Geld, welche in Kriege verwickelt waren.

Doch die meisten dieser „Bänker” wurden von den eigenen Kreditnehmern in den Ruin getrieben.

Diese unmoralische Art die Schulden loszuwerden ist Jahrhunderte lang völlig normal gewesen.

Es waren die Staaten, welche die Gläubiger fest im Griff haben. Dieses Kräfteverhälnis hat sich jedoch in unserer Zeit verändert.

Nach dem 2. Weltkrieg ist Europa völlig zerstört.

Durch den amerikanischen „Marshalplan” entsteht eine neue wirtschaftliche Situation, welche die 30 glorreichen Jahre genannt werden.

Die Wirtschaft lief auf Hochtouren, der Konsum war hoch wie nie zuvor.

Bernard Maris, Wirtschaftswissenschaftler und Autor meint hierzu:

„Es ist lächerlich, von den 30 glorreichen Jahren des Wirtschaftswunders zu sprechen. Die gab es damals nämlich nur, weil man damals alles wieder aufbauen musste.

Wohnungsbau, Autoproduktion und den Zugang zu amerikanischen Konsumgütern wie Waschmaschinen oder Kühlschränken, genau das ergab dieses sogenannte Wirtschaftswunder”.

Der Krieg fördert also die Wirtschaft. Wenn z.B. halb Paris in Schutt und Asche liegen würde, dann wäre der Wiederaufbau ein Potential für starkes Wachstum.

Anfang der 70-er Jahre, also genau nach dem großen Nachkriegsboom, war die Staatsverschuldung dank Wachstum und Inflation nicht existent.

Doch dann kommen 2 Ereignisse, welche die Weltwirtschaft plötzlich ins Schwanken bringen.

1. Ereignis:

Am 15. August 1971 verkündete der damalige US-Präsident Richard Nixon eine wirtschaftlich einschneidende Maßnahme, denn durch den Vietnamkrieg waren die amerikanischen Goldvorräte erheblich geschrumpft.

Richard Nixon sagte damals: „Um den Dollar vor Spekulanten zu schützen, habe ich den Finanzminister Connally angewiesen, die Goldbindung an unsere Währung vorübergehend aufzuheben.

Ausgenommen sind Fälle, die im Sinne der Währungsstabilität und im Interesse der USA liegen”.

Doch aus „vorübergehend” wurde „für immer” und so verlor der Dollar seine Anbindung an Gold und andere wertvolle Materialien.

Also wurde von diesem Tag an die Bindung für immer aufgehoben!

Der Geburtstag des schwankenden Dollars also, welcher bis dahin als starke Währung galt.

Auch alle Währungen, die entweder an das britische Pfund oder den Dollar gekoppelt waren, verwandelten sich damals in einfache Devisen, die einzig durch das Vertrauen der Menschen gestützt wurden, welche diese Devisen besaßen.

Die Abschaffung des Goldstandards führt an den Börsen zu massiven Devisenspekulationen. Der Kapitalfluss an den internationalen Kapitalmärkten stieg, es folgte eine Zeit voller Turbulenzen.

2 Jahre später, also 1973 folgte das Ereignis Nummer 2:

Der Ölschock.

Innerhalb eines Jahres stieg der Preis pro Barrel Öl von 2 auf 6 Dollars an.

Jean-Yves Grenier, Wirtschaftsprofessor aus Paris sagt hierzu:

„Die weltwirtschaftliche Sicherheit wurde zu einer großen Unsicherheit. 1945-1970 waren die Erdölpreise stabil und vorhersehbar. Damals konnte man Wirtschaftsmodelle machen und genaue Voraussagen treffen.

Bei der Währung war es genauso. Seither jedoch leben wir in einer ganz anderen Welt, in der die Erdölpreise und Wechselkurse chaotisch nach oben und unten gehen, also nicht mehr kalkulierbar sind”.

Die starke Verteuerung des Erdöls belastete die Weltwirtschaft, das Wachstum wurde so gebremst. Die Produktionskosten stiegen, die Preise für den Konsumenten stiegen und die Inflation war geboren…

Diese inflationäre Entwicklung hatte einschneidende Folgen. Sparer und Investoren mussten Einbussen hinnehmen, das Geld verlor an Wert.

Für die Regierungen wurde die Inflation zu einem Feind, den es galt, zu bekämpfen, mit allen Mitteln.

So erklären die europäischen Staatsoberhäupter die Inflation offiziell zu einem grossen Feind des Staates.

Kurze Zusammenfassung:

Weil die Amerikaner im Vietnamkrieg derart viele Ressourcen verbrauchten und sie nicht aufgeben wollten, wurde die Dollarbindung 1971 aufgehoben.

Dies zusammen mit dem massiven Anstieg des Ölpreises, welcher auch an den Dollar gekoppelt ist, führte zu den grossen Schwierigkeiten der Weltwirtschaft und zur Inflationen und Spekulationen, anstatt diese einzudämmen.

Haben wir es also den USA und ihren Kriegen zu verdanken, warum wir heute sind wo wir sind?

Müssen wir alle die Sache ausbaden, welche die Amerikaner uns eingebrockt haben?

Dies war nun der erste Teil, der zweite Teil folgt bald…

Herzlichen Dank für Ihre Zeit.

Ihr Netzfrauen-Mann Dominik Crimi (Schweiz)

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