Glyphosat Europa News

Eine Liebesgeschichte oder eine Zweckehe? Die EFSA, das BfR, die GTF und die Neuzulassung von Glyphosat

Glyphosat2Wie EU Berichterstatter berichten, empfiehlt Deutschland die erneute Zulassung von Glyphosat mit einer um 67% erhöhten erlaubten täglichen Einnahme. An dieser erneuten Zulassung haben Monsanto und ein Konsortium von Chemie Unternehmen gearbeitet, die sich im wesentlich auf Studien der Industrie stützten.

 

Deutschland gab im Januar einen Bewertungsbericht (RAR) für Glyphosat an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) heraus – mit einer akzeptablen Tagesdosis von 0,3 bis 0,5 mg pro kg Körpergewicht pro Tag.

Laut dieser Empfehlung konnten in den Studien (die größtenteils von der Industrie in Auftrag gegeben wurden) keine Risiken nachgewiesen werden, die nicht vertretbar sind.

Der Bewertungsbericht (RAR) sagt aus, dass keinerlei Beweise dafür vorlägen, dass Glyphosat krebserregend sei, metabolisiert und sich in unserem Körper ansammeln würde. Vielmehr sei Glyphosat weder karzinogen noch ein endokrin aktiver Stoff. Es lägen auch keine Beweise für eine Reproduktionstoxizität vor oder dafür, dass Glyphosat auf hormon-produzierende Organe einen Einfluss habe. Aus diesem Grund lägen die Risiken in einem akzeptablen und vertretbaren Rahmen.

Eine Vorerntebehandlung (Glyphosat als gewinnoptimierender Erntehelfe) zur Beschleunigung der Erntereife könnte aber ebenfalls weiterhin möglich sein. Wenn auch nur als Teilbehandlung – weil die Experten dies nicht als normale Anwendung ansehen. „Die Reifebeschleunigung wird nicht durch das Pflanzenschutzgesetz abgedeckt“, so Nolting. Sollte es auf Feldern einen „Durchwuchs“ geben, sei eine Teilbehandlung aber nicht ausgeschlossen.

In die Bewertung nicht mit eingeflossen sind die Probleme der Verunreinigung durch Glyphosat, die Probleme der Auswirkungen auf Mikroorganismen und Nichtzielpflanzen, sowie die indirekten Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.

Jetzt fragen wir uns, wie kommen die Verantwortlichen zu dem Schluss, dass Glyphosat so harmlos ist, dass man uns getrost diesem „akzeptablen und vertretbaren“ Risiko aussetzen kann?

Sie müssen schon entschuldigen, aber wir wundern uns doch sehr. Die vorliegenden Beweise für die Toxizität von Glyphosat haben inzwischen so ein enormes Ausmaß angenommen, dass eine ganze Reihe von Ländern bereits die Verwendung von Glyphosat verboten bzw. stark eingeschränkt hat:

Dänemark bereits im Jahr 2003, El Salvador erlässt im Februar 2013 ein vollständiges Verbot, die Niederlande verbietet die nicht-kommerzielle Nutzung ab Ende 2015, Frankreich wird folgen. El Salvador verhängt ein vollständiges Verbot im Februar 2013, nachdem eine Verbindung zu einem Anstieg von chronischen Nierenerkrankungen hergestellt wurde. Nachdem Wissenschaftler in Sri Lanka Beweise vorlegen konnten, nach denen Glyphosat sich in unseren Körpern ansammelt – gerade in Verbindung mit hartem Wasser – wollte auch Sri Lanka das Mittel Glyphosat verbannen, die Regierung ist allerdings unter dem Druck der Industrie eingeknickt. In Brasilien wurde eine Klage eingereicht, um Glyphosat und 8 andere Pestizide zu verbieten.

In vielen unabhängigen Studien ist die Rede von unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen: Krebs, Unfruchtbarkeit, Neurotoxizität, Geburtsfehler, Nierenerkrankungen, Neurotoxizität. Dazu kommt die noch nicht einmal einschätzbare Gefahr, die Glyphosat für unsere Umwelt ist.

Die EFSA hatte den RAR auf ihrer Webseite zur Verfügung gestellt. Leider konnte man nur vorgegebene Antworten mit einer starken Einschränkung eingeben. Mails und unerwünschte Kommentare waren nicht möglich oder wurden gelöscht. Kommentare zu Roundup waren unterwünscht und wurden einfach ignoriert – obwohl Roundup das am häufigsten in Europa eingesetzte Herbizid mit dem Wirkstoff Glyphosat ist.
Wir fragen uns an dieser Stelle nicht, welchen Zweck das hatte – wir glauben, das kann sich jeder denken.

Wer waren die Autoren der Risikobewertung?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist für den RAR verantwortlich. Allerdings gibt es keine Informationen über die Urheber der 15 Dokumente mit einer Gesamtlänge von 3.744 Seiten. Auf Aufforderungen zwischen April und Juni 2014, Informationen über die Verfasser zu veröffentlichen, wurde bis heute nicht reagiert.

Das die EFSA eine Geschichte hat, die gespickt ist mit Interessenskonflikten, das ist nicht neu. Laut eines Berichtes der Corporate Europe Observatory („Unhappy Meal“), der im Oktober 2013 veröffentlicht hatten 59% der Mitglieder der EFSA noch direkte oder indirekte Kontakte zu Unternehmen, deren Tätigkeit unter ihren Aufgabenbereich innerhalb der EFSA fiel. Nun hat die EFSA zwei Jahre Zeit, innerhalb ihrer Reihen aufzuräumen.

Leider ist die Sache wesentlich schlimmer, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Monsanto und ein Konsortium von europäischen Chemieunternehmen haben bei der Risikobewertung für die Neuzulassung von Glyphosat nicht nur die Finger, sondern eher schon beide Hände im Spiel. Denn die das BfR und seine Partner haben die Studien nicht wirklich überprüft, stattdessen verließen Sie sich auf eine Zusammenfassung, zur Verfügung gestellt von der Glyphosat Task Force (GTF). Und die GTF besteht aus Monsanto und einem Konsortium von Chemieunternehmen aus ganz Europa. Auch wenn das BfR hier und da einige Kommentare eingefügt hat – die Risikoeinschätzungen der toxikologischen Untersuchungen kamen von der GTF.

Hinzu kommt, dass alle toxischen Untersuchungen von Glyphosat als alleiniger Stoff ausgehen. Dies ist aber häufig nicht der Fall, da in vielen Mitteln Rezepturen verwendet werden, in denen sich noch weitere giftige Stoffe befinden (z.B. Roundup). Dies wurde bei keiner dieser Studie berücksichtigt.

Auch wurden alle Peer-Review-Studien, die sich im Fazit gegen Glyphosat aussprachen ignoriert, weil sie als nicht Aussagekräftig eingestuft wurden. Gegenstudien wurden also weder zugelassen noch berücksichtigt.

Die gesamte Risikobewertung für die Neuzulassung stinkt unserer Meinung nach zum Himmel. Sie war korrupt, vollgeladen mit Interessenskonflikten, stark voreingenommen gegenüber Studien, die sich gegen Glyphosat aussprechen.

Lebensmittelsicherheit: Wie unabhängig ist die EFSA?


Der ganze Vorgang sollte noch einmal wiederholt werden, sämtliche! Studien sollten in die Entscheidung mit einfließen. Und durchführen sollte dies alles eine unabhängige, nicht voreingenommene oder korrupte Kommission.Netzfrau Kerstin Hördemann

Quellen und weitere Informationen: Bundestag  EFSA sustainablepulse

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